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Tausende Beamte durchsuchen Baustellen

Fast zweitausend Beamte durchsuchen Baustellen, Wohnungen und Geschäfte in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Die Razzien richten sich gegen Schleuser und Menschenhändler, die illegale Arbeitskräfte vermitteln und ausbeuten.

Wegen illegaler Beschäftigung am Bau haben Polizei und Zoll mit 1900 Beamten mehr als 100 Wohnungen und Geschäfte in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt durchsucht. Der Tatvorwurf lautet auf Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung und bandenmäßiges Einschleusen von Ausländern im Baugewerbe, wie ein Sprecher des Hauptzollamtes sagte.

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In Falkensee in Brandenburg, in Dessau und Halle in Sachsen-Anhalt, sowie in Berlin habe es Einsätze gegeben. Bei den Kontrollen gehe es vor allem darum, Beweise zu sichern, etwa Dateien auf Smartphones, sowie E-Mails, sagte der Sprecher. Ob sich die Ermittlungen gegen einzelne Täter oder eine Gruppe von Verdächtigen richten, konnte nicht gesagt werden.

Letztes Jahr gut viertausend Ermittlungsverfahren

Die Beamten sind im Auftrag der Staatsanwaltschaft Berlin im Einsatz. Durchsucht würden Baustellen, Geschäftsräume und Steuerberaterbüros. Unterstützung erhalte das zuständige Hauptzollamt dabei vom Zollkriminalamt, der Ausländerbehörde, sowie der Bundes- und Landespolizei.

Im vergangenen Jahr war die Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Berliner Hauptzollamtes bei rund 1600 Prüfungen wegen Schwarzarbeit und illegaler Beschäftigung im Einsatz, das waren rund 100 Fälle mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 4100 Ermittlungsverfahren eingeleitet sowie Buß- und Verwarnungsgelder in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro verhängt. Die Schadenssumme lag den Angaben zufolge bei 88,6 Millionen Euro. Neben dem Baugewerbe waren damals nach Zollangaben vor allem Hotels, Gaststätten, Speditionsfirmen sowie Reinigungsunternehmen überprüft worden.

Der Zoll weist darauf hin, dass Schwarzarbeit und illegale Arbeit den Sozialsystemen enormen Schaden zufügten und die Handlungsfähigkeit des Staates schwächten. Das Phänomen betreffe vor allem “lohnintensive Branchen”. Man habe es hier zunehmend mit organisierten Strukturen zu tun, die europaweit operierten.

Hohe Dunkelziffer bei Arbeitsausbeutung

Das Bundeskriminalamt kann für das Jahr 2017 in einem Lagebericht zum Thema Menschenhandel und Ausbeutung 180 Opfer von Arbeitsausbeutung in Deutschland ausmachen. Die Dunkelziffer wird allerdings weitaus höher geschätzt. Vor allem im Baugewerbe und der Gastronomie würde die Situation der Arbeitenden ausgenutzt, um sie schlecht zu bezahlen oder ihnen den Lohn vorzuenthalten. Auch überlange Arbeitszeiten, gefährliche Arbeitsbedingungen und überhöhte Mietzahlungen seien charakteristisch. In vielen Fällen seien Menschen aus osteuropäischen Staaten betroffen gewesen.

Weil sie meist ihre Rechte in Deutschland nicht kannten oder durch Drohungen und Gewalt eingeschüchtert wurden, falle es den Betroffenen schwer, ihrer Situation zu entkommen, sagt der “Bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V.”. Weitere Faktoren, die die Position der Opfer schwächten seien mangelnde Sprachkenntnisse, ein irregulärer Aufenthaltsstatus oder Verschuldung.

Die aktuellen Razzien des Zolls sollen voraussichtlich den ganzen Tag andauern. Laut Informationen der “Morgenpost” würden zwar auch in Brandenburg und Sachsen-Anhalt Untersuchungen angestellt, Haupteinsatzort sei aber Berlin.

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